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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Neuer globaler PAN-Bericht über Pestizid-Vergiftungen

30.09.2010, PAN Germany, Carina Weber

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief Juli / August 2010

Der neue PAN-Bericht "Communities in Peril - Global Report on the health impacts of pesticides used in agriculture" dokumentiert die Ergebnisse eines weltweiten Monitoring der Folgen des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft.1 Der durch PAN Germany mit herausgegebene Report zeigt, dass gefährliche Pestizide in aller Welt vielfach unter problematischen Bedingungen verwendet werden und ruft Firmen, Regierungen und internationale Einrichtungen auf, umgehend Maßnahmen zur Beseitigung der Pestizid-Gefahren einzuleiten.

Der Report dokumentiert die Ergebnisse einer umfangreichen Untersuchung der Pestizid-Anwendung. Das Monitoring wurde durch 13 lokale Organisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika durchgeführt. 2.220 Männer und Frauen wurden interviewt. Die Auswertung zeigt vielfach vorkommende Gesundheitsschäden durch verschiedene Pestizide in diversen Anbaukulturen. Die erfassten akuten Vergiftungssymptome reichen von chronischen Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen bis hin zu Schwindelanfällen, Herzrhythmusstörungen und Krämpfen.

Dr. Abou Thiam, Direktor von PAN Afrika: "Die Ergebnisse des Monitoring widerlegen die von Pestizidherstellern gemachten Aussagen zur 'sicheren Anwendung' von Pestiziden. Die Daten zeigen, dass die Pestizid-Anwendungsbedingungen in Ländern des globalen Südens dazu führen, dass Menschen regelmäßig Schäden erleiden."

Zentraler Grund für die oft schweren Folgen des Pestizideinsatzes in Entwicklungsländern ist, dass nicht einmal die grundlegendsten Anwenderschutzregeln eingehalten werden. "Pestizidanwender haben oft keine Informationen über die Gefahren der Pestizide. Und falls doch, können sie die notwendige Schutzkleidung oft nicht bezahlen" sagt Javier Souza, Koordinator von PAN Lateinamerika. Keine der für den Report interviewten Personen benutzte Schutzkleidung, die den Standards in Industrieländern entspricht. Für viele war Schutzkleidung in der örtlichen Umgebung nicht einmal verfügbar.

Dem Report zufolge sind 82 der in Asien durch die Bauern verwendeten 150 Pestizid-Wirkstoffe auf der PAN International-Liste hochgefährlicher Pestizide. Dies trifft auch auf 7 der 10 am meisten verwendeten Pestizide zu. PAN fordert daher mehr Investitionen und politische Unterstützung für agrarökologische Ansätze im Pflanzenbau, die sicherer sind für Mensch und Umwelt. Regierungen sollten stärker in die lokale Infrastruktur sowie Aus- und Fortbildung investieren, um den Gebrauch und die Abhängigkeit von gefährlichen Pestiziden schrittweise zu reduzieren. Sarojeni Rengam, Direktorin von PAN Asien & Pazifik: "Sowohl das praktische Feld-Monitoring wie auch die Analyse der Daten haben gezeigt, dass Landbewirtschaftung, die von gefährlichen Pestiziden abhängig ist, kein Zukunftsmodell sein darf, um eine ausreichende agrarische Produktivität zu sichern. Agrarökologische Ansätze schützen nicht nur Mensch und Umwelt, sondern können auch hohe Erträge erwirtschaften."

Der Report wird durch Ergebnisse von Luftuntersuchungen in den USA ergänzt, die unter Verwendung einer einfach zu bedienenden und zuverlässigen Technologie, dem so genannten "Drift Catcher" durchgeführt wurden. Kathryn Gilje, Direktorin von PAN Nordamerika: "Die Analysen zeigen, dass in ländlichen Gebieten der USA in der Nähe von Schulen und Häusern oft Pestizide eingesetzt werden, die zur Verwehung neigen. Daraus resultiert ein Gesundheitsrisiko sowohl für Kinder wie auch für Erwachsene. In einem Industrieland zu leben, ist also keine Gewähr, vor den negativen Folgen des Pestizideinsatzes geschützt zu sein."

Der Report empfiehlt, dass weltweit Politiker ihre Maßnahmen zur Förderung agrarökologischer Landbauansätze und zur Reduzierung des Einsatzes gefährlicher Pestizide intensivieren. Firmen, die gefährliche Pestizide produzieren und vermarkten, müssen die Verantwortung für entstandene Schäden übernehmen. Carina Weber, Geschäftsführerin von PAN Germany und Keith Tyrell, Direktor von PAN UK drängten bei der Vorstellung des Reports darauf, dass Entscheidungsträger in Regierungen, Entwicklungsorganisationen, der Landwirtschaft, Wissenschaft und Forschung sowie in der Lebensmittel-, Futtermittel- und Textilindustrie solche agrarökologischen Anbausysteme intensiv fördern, die geeignet sind, die Abhängigkeit von gefährlichen Pflanzenschutzkonzepten zu beenden.

(Carina Weber)

1 Das Buch kann bei PAN Germany bestellt werden und ist als Download auf der Website www.pan-germany.org verfügbar.

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