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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Wie schützt man die Pflanzen, ohne dass die Bienen sterben?

30.06.2010, PAN Germany, Susan Haffmans

Aus: PAN Germany Pestizid-Brief Mai / Juni 2010

Mit einem gleichnamigen Vortrag präsentierte PAN Germany in Loccum seine Position zur Gefährdung und zum Schutz der Honigbiene.1

80 VertreterInnen aus den Bereichen Wissenschaft, Politik, Umwelt- und Naturschutz, Landwirtschaft, Imkerei und Ethik spannten auf der Tagung "Bienchen und drumrum - Biodiversität rund um das Nutztier Honigbiene", die vom 28.-30.5.10 in der ev. Akademie Loccum stattfand, einen weiten inhaltlichen Bogen um das in Deutschland drittwichtigste Nutztier, die Honigbiene.

Vorgestellt und diskutiert wurden die Bedeutung und die Gefährdung der für den Erhalt der biologischen Vielfalt und für die Sicherung unserer Erträge so wichtigen Gruppe der Bestäuber. Basierend auf Beiträgen über die co-evolutionäre Entwicklung von Bienen und Blüten sowie die Biodiversität heimischer Wild- und Nutzbienen, über Habitatansprüche und Wechselwirkungen zwischen der Landschaftsausstattung und der Bestäubervielfalt wurden politisch brisante Themen wie die Gefährdung von Bienen und der Verlust von Bienenvölker diskutiert.

PAN Germany übernahm gemeinsam mit VertreterInnen der Landwirtschaftskammern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen die Leitung des Diskussionsforums "Wie schützt man die Pflanzen, ohne das die Bienen sterben?". PAN machte hier deutlich, dass ein Schutz der Honigbienen nur dann erfolgreich sein kann, wenn alle Einflussfaktoren auf die Bienen erkannt werden und wenn die jeweils verantwortliche Gruppe im Sinne eines besseren Schutzes von Bienen und anderen Bestäubern handelt.2 Konkret bedeutet dies:

  • Imker können zu einem besseren Schutz ihrer Bienen beitragen, indem sie die Züchtung bzw. Selektion ihrer Völker auf "Robustheit" fördern, sachgerechte Bekämpfung von z.B. Varroa-Milben durchführen und das "Übernutzen" ihrer Völker ausschließen. Pestizidbedingte Schädigungen sollten sie bzgl. jedes Totenfalles offiziell melden.
  • Bei der Pestizidzulassung fordert PAN das Kriterium "Bienengefährlichkeit" als Ausschlusskriterium wirksam werden zu lassen (dabei Berücksichtigung von Langzeiteffekten, Entwicklungsstadien, Lebensdauer, Überwinterungsfähigkeit, Kombinationswirkungen) und die derzeitige Risikobewertung um die erwiesene systemische Wirkung eines Wirkstoffs zu erweitern.
  • Landwirte können Bienen vor einer Kontamination mit Pestiziden schützen, indem sie auf den Einsatz bienengefährlicher Pestizide verzichten und nicht in blühende Bestände spritzen und indem sie vor Spritzgängen die ortsansässigen Imker informieren. Sie können zudem das Nahrungsangebot für Bestäuber durch den Anbau vielfältiger Kulturen, das Zulassen von blühenden "Unkräutern", das Belassen von Ackerrainen und das gezielte Ansähen von Blühstreifen verbessern. Grundsätzlich tragen Formen der Bewirtschaftung, die die Ausbreitung von Schädlingen und Krankheiten vermeiden und somit den Bedarf an Pestiziden schon im Vorfeld minimieren, dazu bei, Bienen vor Pestiziden zu schützen. Zu nennen sind hier pflanzenbauliche Maßnahmen zum vorsorgenden Pflanzenschutz, phytosanitäre Maßnahmen wie ein intelligentes Stroh- und Stoppelmanagement gegen das Ausbreiten von Schädlingen, nicht-chemische Pflanzenschutzmaßnahmen, ein Verzicht auf den Anbau von Mais in Monokultur und die Umstellung auf ökologischen Anbau.

Um jedoch flächendeckend eine positive Entwicklung zu erzielen, bedarf es der politischen Weichenstellung. Möglichkeiten bieten derzeit die Neuausrichtung der gemeinsamen Agrarpolitik und die Aufnahme von Biodiversitätszielen und -indikatoren in den "Nationalen Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pestiziden".

(Susan Haffmans)

1 Eine Dokumentation der Tagung ist in Vorbereitung. Nähere Informationen hierzu unter http://www.loccum.de.
2 Die PAN Präsentation steht als Download unter www.pan-germany.org zur Verfügung

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