Pestizide - Ein Kernproblem im Baumwollanbau
Die meisten Menschen in Deutschland verbinden mit Baumwolle Natürlichkeit. Sie auch? Jedoch, im konventionellen Anbau von Baumwolle wird fast ein Viertel aller weltweit eingesetzten, meist hochgiftigen Insektenvernichtungsmittel verwendet. Und dies mit massiven negativen Auswirkung auf die Umwelt und auf die Gesundheit von Bauern und Bäuerinnen sowie Landarbeitern, vor allem in Entwicklungsländern.
PAN Germany setzt sich für tragfähige Alternativen ein
PAN Germany engagiert sich seit 15 Jahren für eine Verbesserung der Situation von Millionen betroffener Menschen rund um den Globus. Informations- und Aufklärungsarbeit ist dauerhafter Begleiter des Baumwollprojekts. Doch geht es uns nicht nur darum, Probleme aufzuzeigen. Wir wollen Lösungen. Die beste Möglichkeit ist der Bio-Anbau. Die jahrelangen Bemühungen im internationalen PAN-Netzwerk zeigen Früchte. Der Markt für Bio-Baumwolle wächst mittlerweile rasant.
Auf diesem Erfolg wollen wir uns nicht ausruhen. Alexandra Perschau, PAN Germany Baumwollexpertin: "Unsere Projektpartner in Afrika und andere Akteure der weltweiten Bio-Baumwollbewegung wollen jetzt nächste Schritte gehen, um den Baumwollbauern weitere Einkommensquellen zu verschaffen und damit die Abhängigkeit von der Baumwolle zu reduzieren. Ziel ist ein langfristig umweltschonender Bio-Anbau, der es Bauern ermöglicht, auf wirtschaftlich gesunden Füßen zu stehen. Dieser Herausforderung wollen wir uns stellen."
Unsere Partner vor Ort
Im westafrikanischen Benin kooperiert PAN seit Anfang der 1990er Jahre mit der OBEPAB , der Organisation zur Förderung des biologischen Anbaus in Benin. Seit 1996 bemüht sich die Nichtregierungsorganisation erfolgreich um den Bio-Anbau von Baumwolle.
Das Projekt startete mit 17 Bauern und einer Fläche von 10 Hektar. Heute ist die OBEPAB in 6 Distrikten im Land Benin tätig und berät insgesamt rund 2.000 Bäuerinnen und Bauern. Besonders erfolgreich ist das Projekt für Frauen. Sie machen mittlerweile fast die Hälfte der betreuten Bauern aus. Dies verbessert die Gesundheit der Familien und stärkt die Rolle der Frauen, denen im konventionellen Anbau oft der Zugang zu eigenem Einkommen verwehrt ist.
Die beteiligten Bäuerinnen und Bauern möchten gerne neben der Baumwolle weitere Agrargüter vermarkten. Cashewnüsse scheinen besonders geeignet. Denn die Pflege der Büsche und Bäume, die zum Erosionsschutz am Feldrand gepflanzt wurden, und die Ernte der Nüsse sind wenig arbeitsintensiv und stehen somit nicht in Konkurrenz zur Baumwolle.
Im Senegal fördert die PAN Partnerorganisation Enda Pronat den Bio-Baumwollanbau bereits seit 1994. Enda Pronat gehört damit zu den Pionieren. In der Region um Koussanar im östlichen Senegal unterstützt die international agierende Entwicklungsorganistion die Bauerngenossenschaft Yakaar Niani Wulli, die aktuell 650 Baumwollbauern umfasst.
Ein besonderer Schwerpunkt der Unterstützung für die Bauerngenossenschaft liegt im Erschließen weiterer, zum Verkauf geeigneter Produkte und im Ausbau der Wertschöpfungskette im eigenen Land. So konnte mit der lokal begehrten Getreidesorte Fonio ein wichtiges Produkt für die heimischen Märkte in die Fruchtfolge integriert werden. Aber auch für den Export haben Enda Pronat und die Bauerngenossenschaft geeignete Produkte identifiziert. So kann die Afrikanische Malve, die im Senegal für das Nationalgetränk Bissap verwendet wird, durchaus auch ihren Weg nach Europa finden. Gleiches gilt für Sesam, eine Pflanze, die in der Fruchtfolge leicht zu handhaben ist.
Nächste Schritte
Unsere Projektpartner aus dem Senegal und Benin werden sich mit unserer Unterstützung bei der Weltleitmesse BioFach 2009 um neue, zuverlässige Unternehmenspartnerschaften für ihre Bauern bemühen.
PAN Germany organisiert den Messeauftritt und baut Brücken zu deutschen und europäischen Unternehmen, die geeignet scheinen, sich langfristig, zuverlässig und in fairer Partnerschaft für die Verbesserung der Lebenssituation der Baumwollbauern zu engagieren.
Weitere Messeauftritte und individuelle Gespräche mit Unternehmen sollen in den nächsten zwei Jahren in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien realisiert werden. Alexandra Perschau von PAN Germany: "Ein erfolgreicher Messeauftritt ist ein wichtiger Schritt, um konkrete Unternehmenspartnerschaften anzubahnen. Wir wollen aber auch mit anderen Akteuren über Eckpunkte für tragfähige Handelsmodelle diskutieren."
Weitere Informationen zu unserem gemeinsamen Projekt ‚Fibre, Food and Beauty for Poverty Reduction' finden Sie hier. Oder fragen Sie bei uns nach.
Mehr zu unseren Projektpartnern Enda Pronat und OBEPAB
Der Bio-Baumwoll-Anbau hat die Gesundheit, das
Wohlergehen und das Einkommen für die Kleinbauern
und deren Familien deutlich verbessert. Doch die Preise
für Baumwolle sind unbeständig, leider auch für Bio-
Baumwolle. Auch deshalb sind die Bauern sehr daran
interessiert, ihr Einkommen nicht allein mit der
Baumwolle zu bestreiten. Sie haben großes Interesse,
bessere Märkte für die Nutzpflanzen zu finden, die in
ihrem Anbausystem wachsen.
Fonio
Gesundheitsschäden durch Pestizide: Hier nutzte eine Bäuerin in Benin ein Baumwollpestizid, um ihrer Tochter mit dem Gift Läuse zu entfernen. Die Tochter trug einen dauerhaften Schaden an den Augen davon.
Alexandra Perschau (2.v.r.) moderiert bei einem Workshop im September 2008 eine Podiumsdiskussion zu Eckpunkten nachhaltiger Handelsmodelle für Bio-Baumwollbauern.
Davo Vodouhe, Agrarexperte und Vorsitzender der OBEPAB, vermittelt bei einer Schulung Methoden, die eine gute Ernte gesunder Feldfrüchte erlauben.
(Benin) Als Evelyne Atekokale noch konventionell Baumwolle anbaute, erlitt sie mehrere Fehlgeburten durch Pestizidvergiftungen. Sie sah im Wechsel zum Bio-Anbau die Chance, endlich auf die Gifte verzichten zu können. Heute ist sie stolze Mutter.
Das gesamte Dorf Mangassa in Benin ist zum Bio-Anbau gewechselt.
Enda Pronat Mitarbeiter und Bauern diskutieren über Herausforderungen und Chancen des Bio-Anbaus.
Seitenanfang PAN Germany, E-Mailvalidieren