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PAN Germany Projekt - Biozide - Risiken mindern

Silberfischchen, Kellerasseln und Schimmelpilze

Folgende Informationen stehen auch als Download (pdf-file, 401 kb) zur Verfügung

Biozid_Logo, Fotonachweis: PAN Germany Dieses Informationsblatt bietet praktische Tipps für gesundheits- und umweltgerechte Vorgehensweisen gegen Silberfischchen und Kellerasseln im Haus. Beide Arten gehören nicht zu den Gesundheitsschädlingen, denn sie übertragen keine Krankheiten. Allerdings werden sie oft als lästig oder ekelig empfunden. Bei starkem Befall können unter Umständen Lebensmittel verunreinigt oder Materialien beschädigt werden. Die Tiere sind aber auch nützlich und sind Indikatoren für zu hohe Feuchtigkeit in der Wohnung. Eine zu hohe Luftfeuchtigkeit kann einhergehen mit dem Befall von gesundheitsschädlichem Schimmelpilz. Maßnahmen gegen Silberfischchen, Kellerasseln und Schimmelpilzen gehen daher Hand in Hand.


Welche Schäden verursachen Silberfischchen und Kellerasseln?

Silberfischchen ernähren sich hauptsächlich von Materialien, die in Zucker aufgespalten werden können wie Stärke oder Zellulose. Aufgrund ihrer Vorliebe für Zucker bezeichnet man sie auch als "Zuckergast". Sie fressen gerne Hautschuppen, Haare, Tapetenkleister, Algen und winzige Schmutzteilchen, die sich in Fugen und Ritzen festsetzen. Sie gehen auch an gestärkte Textilien, an Stoffe aus pflanzlichen Fasern oder an Bucheinbände mit stärkehaltigem Leim und hinterlassen dort kleine Schabefraßlöcher. Bei starkem Befall können sie als Materialschädling auftreten und Lebensmittel verunreinigen. Sie sind allerdings auch nützlich, denn sie fressen Hausstaubmilben, deren Kot beim Menschen bekannterweise Allergien auslösen kann sowie gesundheitgefährliche Schimmelpilze.


Kellerasseln ernähren sich hauptsächlich von abgestorbener organischer Substanz wie z.B. morschem, mit Pilzen befallenem Holz und pflanzlichen Abfällen. Bei der Kompostierung sind sie wichtige Humusbildner. In Blumenkübeln fressen sie neben abgestorbenen manchmal auch lebende Wurzeln. Im Haus findet man sie in der Regel im Keller, wenn sie dort pflanzliche Vorräte wie Kartoffeln, Äpfel oder organische Abfälle als Nahrung vorfinden.

Woran erkennt man Silberfischchen und Kellerasseln?

Silberfischchen, Fotonachweis: Sebastian Stabinger / wikimedia.org

Silberfischchen sind 7 bis 12 mm lange flügellose Insekten mit einem spitz zulaufenden Körper, drei langen Schwanzanhängen und zwei Tastfühlern. Ihre silbergrau schimmernden Schuppen und die fischähnlichen Bewegungen geben ihnen ihren Namen. In Mitteleuropa sind sie fast ausschließlich in menschlichen Behausungen anzutreffen. Sie sind nachtaktiv, sehr lichtscheu und verstecken sich flink, wenn sie gestört werden. Manchmal "huscht" es hier und dort, wenn man das Licht einschaltet. Tagsüber finden sie hinter losen Tapeten, in dunklen Spalten und Fugen oder hinter Sockelleisten Unterschlupf. Sie benötigen eine hohe Luftfeuchtigkeit von über 80%. Deshalb sind sie vowiegend in Bad, Küche, Waschküche und Keller anzutreffen.


Kellerassel, Fotonachweis: Klaus Eppele / fotolia.com

Kellerasseln gehören zu den Krebstieren und können bis zu 12 mm lang werden. Ihr Körper ist oval und flach mit sieben Laufbeinpaaren. Der Rückenpanzer ist grau bis braungrau und halbringförmig gegliedert. Auch die Larven der Kellerasseln haben bereits die Form der Elterntiere, sind allerdings winzig und farblos. Wie der Name andeutet, halten sich Kellerasseln an dunklen und vor allem feuchten Orten wie z.B. einem Keller auf und verkriechen sich dort gerne unter Gegenständen.


Infos zu Schimmelpilzen

Feuchtigkeit ist die Grundvoraussetzung für das Vorhandensein von Schimmelpilzen. Tauchen Silberfischchen oder Kellerasseln auf, ist dies ein Alarmzeichen.

Schimmelpilz an Wand, Fotonachweis: Klaus Eppele / fotolia.com Wie erkenne ich Schimmel?

Schimmelpilze wachsen oft an den kälteren Außenwänden in der Wohnung oder hinter Möbeln wo die Feuchtigkeit kondensieren kann. Die Pilzsporen bilden schwarze Punkte und Flecken an der Wand. Man erkennt Schimmel aber auch an dem typisch erdigen, muffigen Geruch. Vertrauen Sie daher ruhig Ihrer Nase. Sind diese Anzeichen vorhanden, sollte rasch gehandelt werden.

Wie kommt der Schimmel in die Wohnung?

Pilze sind wie Bakterien ein fester Bestandteil unserer Umwelt. Sie treten in geringen Konzentrationen überall auf und werden mit der Luft überall hin transportiert. Während die Schimmelpilze an trockenen Orten nicht dauerhaft überleben können, finden sie ideale Lebensbedingungen an feuchten Wänden, Möbeln oder Textilien und können sich rasant vermehren. Tapeten, Kleister, Wandfarbe oder Teppiche stellen eine gute Nährstoffquelle dar.


Welche Gesundheitbeschwerden gibt es?

Die Belastung mit Schimmelsporen kann allergische Reaktionen oder Asthmaanfälle hervorrufen. Typische Symptome sind z.B. Schleimhautreizungen, Hautausschläge, Husten, Kopfweh und Müdigkeit.

Wie beugen Sie Schimmel vor?

Sorgen Sie für ein gutes Raumklima und halten Sie die relative Luftfeuchtigkeit in Ihren Innenräumen durch Heizen und Lüften zwischen 40% und 60%. Große Möbelstücke wie Schränke oder Kommoden sollten Sie nicht an Aussenwände stellen. Lässt sich das nicht vermeiden, lassen Sie ca. 10 cm Abstand zur Wand.

Vermeiden Sie eine chemische Bekämpfung

Das Umweltbundesamt (UBA) rät von der Verwendung von chemischen Pilzbekämpfungsmitteln (Fungiziden) in Innenräumen ab. Es ist nicht auszuschließen, dass die Verwendung solcher Mittel die Gesundheit der Bewohner gefährdet. Stattdessen sollte vorgesorgt, gereinigt und saniert werden.

Weitere nützliche Informationen finden Sie auf dem Biozid- Portal: http://www.biozid.info (Stichwort: Schimmelvermeidung und -bekämpfung).


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....und noch mehr Wissenswertes

Silberfischchen
Die Silberfischchen (Lepisma saccharina) sind flügellose Urinsekten und gehören zu der Ordnung der Fischchen (Zygentoma). Sie bewohnen die Erde schon seit ca. 300 Millionen Jahren. Von den rund 300 bekannten Arten kommen fünf in Mitteleuropa vor. Charakteristisch ist das silbrig-glänzende Erscheinungsbild, die langen Antennen und Schwanzanhänge und die schlängelnde Bewegungsweise.
Bereits als Larven haben Silberfischchen das Aussehen des erwachsenen Insekts. Die Weibchen können zu jeder Jahreszeit Eier legen, die sie an verschiedenen Plätzen verstecken. Aus den ovalen, etwa 0,8 mm großen Eiern schlüpfen je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit nach etwa 28 Tagen die Larven. Ihre silbrige Schuppenschicht bilden sie erst nach der zweiten oder dritten Häutung. Nach 4 bis 6 Monaten und ca. 10 Häutungen werden sie geschlechtsreif. Optimale Entwicklungsbedingungen herrschen bei 22 bis 30 °C und einer 75 bis 97%igen relativen Luftfeuchtigkeit.
Silberfischchen wachsen und häuten sich ihr Leben lang, sodass auch das Auffinden ihrer Häute ein Zeichen für das Vorhandensein von Silberfischchen sein kann. Sie können mehrere Monate ohne Nahrung auskommen und je nach Temperatur bis zu vier Jahre leben. Bei Trockenheit (unter 30% Luftfeuchtigkeit) ist keine Vermehrung mehr möglich und bei Temperaturen über 35°C sterben die Tiere ab.

Ofenfischchen, Fotonachweis: Klemens Bottig / wikimedia.org

Ofenfischchen
Ebenfalls zu den Wohnungsfischchen gehören die Ofenfischchen (Thermobia domestica). Optisch ähneln sie sehr den Silberfischchen, sie sind allerdings etwas dunkler und größer. Ofenfischchen tolerieren besser eine niedrigere Luftfeuchtigkeit, sind aber sehr wärmeliebend. In Europa kommen sie hauptsächlich in Bäckereien vor, wo sie ein großes Nahrungsangebot aus Mehl und Zucker vorfinden. Vorsorge- und Bekämpfungmaßnahmen sind auf die gleiche Weise möglich wie bei Silberfischchen.


Kellerasseln
Die Tierordnung der Asseln (Isopoda) gehört zu den Krebstieren. Die meisten der rund 10.000 bekannten Arten leben im Wasser. Nur die kleine Gruppe der Landasseln hat das Wasser verlassen. Ihre Kiemen haben sie allerdings behalten, sie befinden sich an den Beinen und müssen ständig von einem Feuchtigkeitsfilm bedeckt sein. Auch ihre Körper sind gegen Austrocknung sehr empflindlich, denn anders als bei Insekten ist ihr Außenpanzer nicht mit einer isolierenden Wachsschicht bedeckt. Die Kellerasseln (Porcellio scaber) sind daher auf Orte mit hoher Luftfeuchtigkeit angewiesen. Diese besonderen Lebensbedingungen zeigen sich auch an der besonderen Form der Brutpflege: Die Weibchen der Kellerasseln tragen ihre geschlüpften Jungen in einer mit Flüssigkeit gefüllten Tasche auf der Körperunterseite mit sich herum. Jungtieren fehlt übrigens zunächst ein Beinpaar, das sich erst nach mehreren Häutungen entwickelt.

Mauerassel, Fotonachweis: Pudding4Brains / wikimedia.org

Mauerassel
Manchmal ist auch die Mauerassel (Oniscus asselus, im Bild rechts neben der Kellerassel) in Gebäuden anzutreffen. Sie wird bis zu 18 mm lang und ist dunkelgrau bis schwarzbraun gefärbt. Auf dem Panzer befinden sich helle Flecken, anhand derer man sie sehr gut von der Kellerassel unterscheiden kann.


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PAN Germany bedankt sich bei Stefanie Graze und bei Dirk Petersen für die fachliche Expertise sowie für die finanzielle Unterstützung bei:
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Die Förderer übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit, die Genauigkeit und Vollständigkeit der ANgaben sowie für die Beachtung privater Rechte Dritter. Die geäußerten Ansichten und Meinungen müssen nicht mit denen der Förderer übereinstimmen.

Fotonachweis:
Silberfischchen: Sebastian Stabinger,
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/54/Silberfischchen.jpg/59px-Silberfischchen.jpg
Kellerassel © Klaus Eppele - Fotolia.com
Schimmelpilz an Wand © Klaus Eppele - Fotolia.com
Ofenfischchen: Klemens Bottig -
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/ac/Ofenfischchen1.jpg/300px-Ofenfischchen1.jpg
Mauerassel: Pudding4Brains -
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/01/Porcellio_scaber_and_Oniscus_asellus_-_ Zaln%C3%A920070205.jpg/120px Porcellio_scaber_and_Oniscus_asellus_-_Zaln%C3%A920070205.jpg


Was tun gegen Silberfischchen und Kellerasseln?


Vorbeugende Maßnahmen

Vertreibende / Bekämpfende Maßnahmen

Wieso sollten Sie auf chemisch-synthetische Schädlingsbekämpfungsmittel verzichten?


Schädlingsbekämpfungsmittel gehören zu den Biozidprodukten. Chemische Biozide gelten grundsätzlich als gefährliche Stoffe, denn ihre Zweckbestimmung ist, Lebewesen zu schädigen. Seit 2004 verbietet der Gesetzgeber daher grundsätzlich verharmlosende Angaben bei diesen Mitteln wie "ungiftig" oder "unschädlich".

Beim Einsatz von chemischen Schädlingsbekämpfungsoder Pilzbekämpfungsmitteln können Gesundheitsrisiken auftreten, die besonders für empfindliche Personengruppen wie Babies, Kleinkinder, Schwangere oder Kranke problematisch werden können. Mittel gegen Insekten (Insektizide) enthalten oft Nervengifte, die auch das Nervensystem von Menschen und Haustieren schädigen können.

In der Regel sind synthetische, d.h. künstlich hergestellte Wirkstoffe viel langlebiger als natürliche Stoffe. Die stabilen Wirkstoffe können in die Innenraumluft übertreten, Lebensmittel kontaminieren oder werden mit dem Abfall oder mit dem Wischwasser in die Umwelt eingeleitet und belasten Böden und Gewässer. Vorsorgemaßnahmen oder der Einsatz von natürlichen Verfahren können aufwendiger sein und brauchen mehr Geduld. Dieser Einsatz lohnt sich aber, da Sie auf der sicheren Seite sind und sich keine Sorgen um mögliche Gesundheitsrisiken oder um Umweltbelastungen machen müssen.

Fragen Sie nach!

Fragen Sie im Handel nach Produkten ohne chemische Wirkstoffe. Der Handel bietet bereits viele unbedenkliche Produkte an und wird bei direkter Nachfrage sein Sortiment entsprechend ausrichten. Bestehen Sie auf eine kompetente, umfassende Verkaufsberatung. Lassen Sie sich nicht durch irreführende oder verharmlosende Werbesprüche beeindrucken: Beispielsweise bedeutet "naturnah" oder "von der Natur abgeschaut" gerade nicht, dass das Mittel natürliche Inhaltsstoffe hat, sondern dass es synthetisch ist. Schauen Sie deshalb genau und kritisch auf die Werbung und aufs Kleingedruckte.

Nutzen Sie das Angebot unabhängiger Beratungsstellen zur gesundheits- und umweltgerechten Vorgehensweise gegen Schädlinge und Lästlinge. Wenden Sie sich an:
die Beratungsstellen in Hamburg: Verbraucherzentrale: 040/248 32-260, Hygiene-Institut: 040/428 457 970, Umweltberatung der Bezirksämter: 040/428 280.



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