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PAN Germany Projekt - Biozide - Risiken mindern

Schaben / Kakerlaken

Folgende Informationen stehen auch als Download (pdf-file, 430 kb) zur Verfügung

Biozid_Logo, Fotonachweis: PAN Germany Dieses Informationsblatt bietet praktische Tipps für ein gesundheits- und umweltgerechtes Vorgehen gegen Schaben. Schaben, auch Kakerlaken genannt, sind sehr problematische Schädlinge, da sie Krankheiten übertragen können und sich schnell in einer Wohnung und zwischen Wohnungen ausbreiten können. Am häufigsten sind Lebensmittel verarbeitende Betriebe und angrenzende Haushalte betroffen. Tritt ein Schabenbefall auf, sollte kein ungeschulter Laie versuchen, den Befall durch den Einsatz chemischer Insektenvernichtungsmittel selbst in den Griff zu bekommen. Bei Schaben sind Profis gefragt. Umso wichtiger ist es, die richtigen Vorsorgemaßnahmen durchzuführen, um die Gesundheit, die Umwelt und auch den Geldbeutel zu schonen.


Welche Schäden verursachen Schaben?


Deutsche Schabe

Schaben können Krankheitserreger auf Lebensmittel übertragen, die gesundheitlich bedenklich sein können. Beispielsweise können Salmonellen oder Schimmelpilzsporen übertragen werden. Schaben machen Lebensmittel durch Fraß und ihre Ausscheidungen ungenießbar. Neben Infektionsrisiken wie Magen-Darm-Erkrankungen können die Ausscheidungen der Schaben auch Allergien auslösen. Ein Schabenbefall stellt somit ein Gesundheitsrisiko dar. Zudem verbreiten und vermehren sich Schaben sehr schnell. Die Schädlinge werden über Waren oder Urlaubsgepäck in die Wohnung eingeschleppt oder sie wandern von angrenzenden Bereichen, oft von Lebensmittel verarbeitenden Betrieben ein. So kann schnell das ganze Wohnhaus betroffen sein. Das Auftreten von Schaben hat somit nichts mit mangelnder Sauberkeit zu tun und es sollte schnell professioneller Rat und Hilfe eingeholt werden.

Woran erkennt man Schaben?

Schaben sind Weltmeister bei der Besiedlung neuer Lebensräume. Im Umfeld des Menschen finden sie beste Lebensbedingungen vor. Sie leben sehr versteckt in Schlupfwinkeln und sind nachtaktiv. Daher findet die erste Begegnung zwischen Mensch und Schabe meistens nachts statt. Das 1 bis 4 cm länglich-ovale und abgeflachte, gelbbraune oder rotbraune Insekt mit langen Fühlern wird bei dieser Störung sofort einen Schlupfwinkel anstreben und sich verstecken. Nachts erkunden die Schaben ihre Umgebung und suchen Nahrung. Sollten Schaben auch am Tage sichtbar sein, ist von einem sehr starken Befall auszugehen.


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....und noch mehr Wissenswertes

Von den weltweit rund 3500 bekannten Schabenarten treten funf Schabenarten am haufigsten in Wohnungen, Betrieben und offentlichen Gebauden als Schadlinge in Erscheinung. Die beiden wichtigsten unter ihnen ist die Deutsche Schabe und die Orientalische Schabe oder Kuchenschabe. Daneben treten hin und wieder die Amerikanische Schabe, die Australische Schabe und die Braunbandschabe oder Mobelschabe auf.

Deutsche Schabe

Deutsche Schabe (Blattella germanica): 11.15 mm lang lehmgelb bis braun, Halsschild mit dunklen Langsbandern, beide Geschlechter mit entwickelten Flugeln, die allerdings kaum zum Flug gebraucht werden.


Orientalische Schabe

Orientalische Schabe (Küchenschabe, Blatta orientalis): 21.28 mm lang, Weibchen fast schwarz mit Stummelflugeln, Mannchen kastanienbraun mit entwickelten Flugeln, die etwa zwei Drittel des Hinterleibs bedecken, jedoch nicht zum Fliegen benutzt werden.


Amerikanische Schabe

Die Amerikanische Schabe (Periplaneta americana) und die Australische Schabe (Periplaneta australasiae) sind in der Regel noch etwas groser als die Orientalische Schabe. Die Braunbandschabe (Möbelschabe, Supella longipalpa) ist die kleinste im Haushalt auftretende Art.



Lebensweise

Alle Schabenarten sind ursprünglich Verwerter von abgestorbenem pflanzlichem Material und stammen aus subtropischen und tropischen Regionen. Die Lebensansprüche von Schaben werden gerade in modernen, vollklimatisierten Gebauden erfullt. Besonders in Großküchen, Lebensmittel verarbeitenden Betrieben, Bäckereien u. a. finden sie ideale Lebensbedingungen.

Von solchen Orten verbreiten sich die Insekten uber Versorgungs., Lüftungs. und Leitungsschächte in angrenzende Wohnungen. Besonders die Nymphen der Schaben sind sehr beweglich und können sich durch kleinste Spalten von nur 0,5 mm zwängen. Ein weiteres Risiko ist das Mitbringen der Schaben aus dem Urlaub, oder das Einschleppen durch Waren und Verpackungen.

Schaben leben gesellig. Der Zusammenhalt von Schaben-Populationen und ihre Orientierung wird mit Hilfe von chemischen Duftstoffen organisiert, die bisweilen als penetranter, süßlicher Geruch wahrnehmbar sind. Diese chemischen Reize sind fur die Schaben offenbar wichtiger als akustische oder visuelle. Lockstofffallen und Köderdosen nutzen diese feine Geruchswahrnehmung der Tiere.

Der Lebenszyklus einer Schabe besteht aus dem erwachsenen (adulten) Insekt, dem Ei, und mehreren Larvenstadien. Da die Larvenstadien dem adulten Deutsche Schabe Insekt bereits verhältnismäßig ähnlich sehen, werden sie als Nymphen bezeichnet. Ein Puppenstadium gibt es bei Schaben nicht. Das letzte Nymphenstadium hautet sich zum geschlechtsreifen, adulten Insekt. Eine Besonderheit gegenüber vielen anderen Insektengattungen ist, dass Schaben ihre Eier in so genannten Eipaketen (Oothek), die von einer festen Hülle umgeben sind, eine zeitlang mit sich herumtragen und diese erst mehr oder weniger kurz vor dem Schlupf ablegen (s. Foto). Die Deutsche Schabe legt das Eipaket beispielsweise erst kurz vor dem Schlupf der Larven ab, während bei der Orientalischen Schabe der Schlupf erst ca. 40 Tage nach Ablage des Paketes erfolgt. Eine Identifizierung der Art ist daher sehr wichtig, da diese Unterschiede die Bekämpfungsstrategie stark beeinflussen. Die Entwicklungsdauer der einzelnen Lebensstadien ist temperaturabhängig. Höhere Temperaturen bewirken eine schnellere Entwicklung.



Braunbandschabe

Deutsche Schabe / Braunbandschabe: bevorzugte Temperatur 28°-30°C, 36 Eier pro Paket, Eientwicklung ca. 17 Tage, Nymphenstadien 38-63 Tage, Lebenserwartung der adulten Schabe ca. 4-5 Monate.

Orientalische Schabe: bevorzugte Temperatur 20°-29°C, 15 Eier pro Paket, Eientwicklung ca. 40 Tage, Nymphenstadien 126-165 Tage, Lebenserwartung der adulten Schabe ca. 10 Monate.

Amerikanische / Australische Schabe: bevorzugte Temperatur 25°-30°C, 15-20 Eier pro Paket, Eientwicklung ca. 35-50 Tage, Nymphenstadien 160-197 Tage, Lebenserwartung der adulten Schabe ca. 12-15 Monate


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PAN Germany bedankt sich bei Dipl. Biol. Michael Ruhnau für die fachliche Expertise
sowie für die finanzielle Unterstützung bei:

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Die Förderer übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit, die Genauigkeit und Vollständigkeit der ANgaben sowie für die Beachtung privater Rechte Dritter. Die geäußerten Ansichten und Meinungen müssen nicht mit denen der Förderer übereinstimmen.

Fotonachweis:
Schabenbilder: Clemson University – USDA Cooperative Extension Slide Series, Bugwood.org
Küche r_fm / pixelio.de, Kühlschrank Gabi-Schoenemann / pixellio.de


Was tun gegen Schaben / Kakerlaken?


Vorbeugende Maßnahmen

Vertreibende / Bekämpfende Maßnahmen

Wieso sollten Sie auf chemisch-synthetische Bekämpfungsmittel verzichten?

Beim Einsatz von chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln können Gesundheitsrisiken auftreten, die besonders für empfindliche Personengruppen, wie Babys, Schwangere oder Kranke problematisch werden können. Mittel gegen Insekten enthalten oft Nervengifte, die auch das Nervensystem von Menschen und Haustieren schädigen können.
In der Regel sind synthetische, d.h. künstlich hergestellte Wirkstoffe viel langlebiger als natürliche Stoffe. Die stabilen Insektengifte können in die Innenraumluft übertreten, Lebensmittel kontaminieren oder werden mit dem Abfall oder mit dem Wischwasser in die Umwelt eingeleitet und belasten Böden und Gewässer. Das Prinzip bei Schabenbefall sollte daher sein, so wenig wie möglich, so viel wie nötig. Dabei sollten alle genannten vorsorgenden und vertreibenden Maßnahmen umgesetzt werden, denn dann ist umso weniger Chemie nötig. Dieser Einsatz ist wichtig, denn Sie reduzieren mögliche Gesundheitsrisiken und Umweltbelastungen.

Fragen Sie nach!

Lassen Sie sich zunächst gut und unabhängig beraten. Während bei vielen Schädlingen (z. B. Motten) auch in Eigenregie mit nicht-chemischen Maßnahmen eine Vertreibung und Bekämpfung erreicht werden kann, ist dies bei einem Schabenbefall anders zu bewerten. Konkrete Hinweise, wie Sie einen sachkundigen Schädlingsbekämpfer finden können und worauf Sie dabei achten sollten, bietet das PAN-Faltblatt "Schädlinge im Haus. Was nun?". Lassen Sie sich nicht durch irreführende oder verharmlosende Werbesprüche beeindrucken: Beispielsweise bedeutet "naturnah" oder "von der Natur abgeschaut" gerade nicht, dass das Mittel natürliche Inhaltsstoffe hat, sondern dass es synthetisch ist. Schauen Sie deshalb genau und kritisch auf die Werbung und aufs Kleingedruckte von Schädlingsvernichtungsmitteln.

Nutzen Sie das Angebot unabhängiger Beratungsstellen zur gesundheits- und umweltgerechten Vorgehensweise gegen Schädlinge und Lästlinge. Wenden Sie sich an:
die Beratungsstellen in Hamburg:
Verbraucherzentrale: 040/248 32-260,
Hygiene-Institut: 040/428 457 970,
Umweltberatung der Bezirksämter: 040/428 280.



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