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Pestizide sind verantwortlich für das Massensterben von Bienen

Clothianidin verursacht Massensterben von Bienen

ImkerprotestIm Frühjahr 2008 trat im Bereich des Oberrheins ein außergewöhnliches Bienensterben auf. Die gefundenen toten Bienen lagen auf und in der Nähe von Mais-Äckern. Der Mais war gerade frisch eingesät worden - mit Pestizid-behandeltem Saatgut. Aufgrund der Vergiftungssymptome wurde vermutet, dass das zum Beizen der Mais-Saat verwendete Pestizid Clothianidin für das Massensterben verantwortlich sein könnte. Nachdem die Untersuchungsstelle für Bienenvergiftungen am Julius Kühn-Institut (JKI) Proben mit toten Bienen untersucht hatte, bestätigte das JKI einen "unmittelbaren Zusammenhang zwischen den gefundenen toten Bienen und dem Beizmittel" Clothianidin. Daraufhin ordnete die für die Zulassung von Pestiziden federführende Behörde, das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), am 15. Mai 2008 mit sofortiger Wirkung das Ruhen der Zulassung für acht Saatgutbehandlungsmittel an, die bienengefährliche Pestizide enthalten. Neben dem genannten Wirkstoff Clothianidin und den damit ausgestatteten Produkten Poncho und Elado waren zudem die Produkte Antarc, Chinook und Faibel mit dem Wirkstoff Imidacloprid, das Produkt Mesurol flüssig mit dem Wirkstoff Methiocarb und die Produkte Cruiser 350 FS und Cruiser OSR mit dem Wirkstoff Thiamethoxam von der Maßnahme berührt. Inhaber von Zulassungen für die betroffenen Produkte sind die Firmen Bayer CropScience (6 Produkte) und Syngenta (2 Produkte), also die weltweiten Marktführer der Pestizidbranche. Bayer Crop Sience, machte mit den Wirkstoffen Clothianidin und Imidacloprid (Bestseller des Unternehmens) im Jahr 2007 einen Umsatz von fast 800 Mio. Euro. Eine Reaktion des Pestizidriesen auf das Massensterben kam spät. Das Unternehmen sprach seinen Unmut über das Ruhen lassen der Zulassung aus und bekräftigte seinen Glauben an "eine schnelle technische Lösung". Diese so genannten technischen Lösungen packen das Problem nicht an der Ursache, sondern suggerieren, dass ein Kontakt bienengefährlicher Mittel mit den Bienen durch bestimmte technische Verbesserungen zuverlässig vermieden werden kann. Verhindern werden soll die Kontamination, indem das Pestizid besser am Saatgut fixiert wird, der Abrieb beim Sähen vermindert wird und/oder weniger Stäube beim Sähen entstehen. Kurz gesagt, durch bessere Haftmittel und technische Innovation im Bereich Landtechnik. Doch die Erfahrungen der letzten 13 Jahre zeigt, dass es trotzt technischen Fortschritts in der Landtechnik zu Belastungen von Bienen, Pflanzen, Gewässern und andere Lebewesen und Biotopen mit pestizidhaltigen Stäuben kommt.


Empörung über Wiederzulassung Chlothianidin-und Imidacloprid-haltiger Beizmittel für die Rapssaat

Rapsfeld Von den Umwelt- und Verbraucherverbänden wurde das Aussetzen der Zulassung als eine erste Reaktion der Behörde positiv bewertet. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hatte getan, was man von der obersten Bundesbehörde zum Schutz der Verbraucher erwartet - es hatte seine Schutzfunktion wahrgenommen. Umso heftiger fiel die Kritik aus, als das BVL bereits am 25.6.08 die Beizmittel Antarc, Chinook, Cruiser OSR und Elado für die Behandlung von Raps ab sofort wieder zuließ. Alle Mittel enthalten bienengefährliche Wirkstoffe, darunter Clothianidin und Imidaclorid. Das BVL begründet die Wiederzulassung in seiner Presseinformation vom 25.6.08 damit, dass das "Pflanzenschutzmittel mit einem zusätzlichen Haftmittel ans Rapskorn gebunden wird, so dass ein Abreiben des Pflanzenschutzmittels vom Saatgut vermieden wird. Beim Mais hatte dieser Abrieb dazu geführt, dass Stäube des Pflanzenschutzmittels in die Umwelt gelangten und beispielsweise auf Raps-, Löwenzahn- und Obstblüten von Honigbienen aufgenommen wurden. Weiterhin kommen bei der Aussaat von Raps nur Maschinen zum Einsatz, die keinen Abriebstaub in die Luft abgeben". Äcker die bestellt werden, d.h. Äcker die für die Saat vorbereitet sind, sind frei von Bewuchs. Fährt die Drillmaschine über den Acker und legt die Saatkörner ab, so entsteht Staub. Von Seiten der Kritiker an der Wiederzulassung wird kritisiert, dass trotz bester Technik ein Abrieb von pestizidhaltiger Beize nicht gänzlich vermieden werden kann. So gelangen die Pestizide aus der Saatgutbeize auf die Äcker und mit den Stäuben auf Nachbarflächen, auf Obstbäume, in Gewässer. Auch wenn der besonders starke Abrieb ein einmaliges Ereignis ist, bleibt das Problem bestehen, denn Colthianidin, der Wirkstoff, der für das neuerliche Bienensterben verantwortlich war, ist persistent. Das heißt, dass sich dieser bienengefährliche Wirkstoff nur sehr langsam abbaut und noch Jahre nach dem Ausbringen im Boden nachgewiesen werden kann.


Clothianidin für Maissaat weiter verboten

MaissaatTrotz massiven Drucks der Chemie-Lobby das Bayer-Pestizid Clothianidin erneut für das Beizen von Maissaatgut freizugeben, bleibt die Zulassung von Insektiziden, die wie Clothianidin als Wirkstoff Neonicotinoide enthalten, weiterhin ausgesetzt (Stand Februar 2009). Entscheidend für die Weigerung der Behörde waren neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus Italien und Beobachtungen in Deutschland, denen zufolge im Guttationswasser von Maispflanzen sehr hohe und für Bienen tödliche Konzentrationen dieser Pestizide vorkommen können. Bislang war alleine die Staubbildung bei der Maisaussaat als möglicher Kontaminations-Pfad diskutiert worden. Den neuen Untersuchungsergebnisse zu folge, ist auch eine Kontamination der Bienen mit den Wirkstoffen über Berührung etwa mit dem Guttationwasser der Maispflanzen mögliche Ursache der Vergiftung. Guttation entsteht, wenn bei reichlicher Wasserversorgung und höherer Luftfeuchte, Wasser über Öffnungen an den Blattspitzen in Tropfenform abgegeben werden. Dies stellt nicht nur eine Gefahr für die einzelne Biene dar, die mit dem Guttationswasser in Kontakt kommt. Es ist davon auszugehen, das über die Wasserholbienen ganze Bienenvölker letal oder subletal von den im Guttationswasser enthaltenen Wirkstoffen geschädigt werden.

Doch während das Verbot für Chlothianidin hält, wurde Mesurol als Wirkstoff zum Beizen von Maissaat wieder zugelassen. Mesurol, das ebenfalls vom Bayer-Konzern vertrieben wird und zusammen mit Clothianidin und anderen Insektiziden im Mai 2008 vorläufig verboten worden war, darf unter gewissen Auflagen weiter verwendet werden; so dürfen für die Aussaat der mit Mesurol gebeizten Maiskörner nur bestimmte Maschinen verwendet werden und das Mittel, das auf die Saatkörner aufgetragen wird, müsse "ausreichend" daran haften. Vor dem Hintergrund der neuen Untersuchungsergebnisse zur Belastung von Guttationswasser ist diese Entscheidung nicht zu verantworten.

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Bildnachweis:

gebeizter Mais und Imkerprotest: B. Heuvel; Rapsfeld: RediSu_pixelio.de

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