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Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.

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Gute Nachricht für Bienen: EU-Zustimmung zum befristetem Verbot dreier bienengefährlicher Pestizide

30.04.2013, PAN Germany, Susan Haffmans

Nach Jahren des unermüdlichen Einsatzes von Umweltschützern und Imkern für einen besseren Schutz von Bienen vor Pestiziden stimmte die Mehrheit der europäischen Mitgliedstaaten dem auf zwei Jahre befristeten Verbot von drei Neonikotinoiden zu. PAN Germany, das sich seit 2008 intensiv für einen besseren Schutz von Bienen vor Pestiziden einsetzt, begrüßt die Entscheidung als einen wichtigen ersten Schritt für mehr Schutz vor negativen Pestizid-Auswirkungen.

Die besonders für Bienen bedrohlichen Clothianidin und Imidacloprid der BAYER CropScience sowie Thiamethoxam von SYNGENTA stellen ein besonders hohes Risiko für Insekten-Bestäuber dar. Das hat auch die gemeinhin als sehr industriefreundlich eingestufte Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigt und gefordert, die drei Neonikotinoid-Wirkstoffe strenger als bislang zu regulieren. Mit der Zustimmung zum Vorschlag der EU Kommission für ein befristetes Verbot der Wirkstoffe, kamen die EU dieser Forderung am 29.4.2013 durch den Beschluss im Berufungsausschuss nach.

Deutschland, das u.a. beim Anbau von Raps sehr von den Wirkstoffen abhängig ist, hatte dem Verbot in der ersten Abstimmung im März 2013 nicht zugestimmt, nun aber doch für ein Verbot gestimmt. 15 Mitgliedsstaaten der EU votierten mit Ja, 8 stimmten dagegen und 4 enthielten sich. Zwar reichen die Dafürsprachen nicht für eine qualifizierte Mehrheit aus, sodass es nun an der Wahl der Europäischen Kommission liegt, wie weiterverfahren wird, doch wird davon ausgegangen, dass das Verbot wie vorgeschlagen umgesetzt wird. Das zögerliche Verhalten und die Verschiebungen der Abstimmung haben jedoch dazu geführt, dass das Verbot nicht wie ursprünglich geplant ab dem 1. Juli greift, sondern erst ab Dezember 2013. Somit haben sich Industrie und Agrarwirtschaft die Herbst-Aussaat mit Neonikotinoiden gesichert, für die Bienen hat sich hingegen die Entwarnung verzögert. Dies ist, bei aller Freude über das Ergebnis, ein Wermutstropfen.

Die zur Gruppe der Neonikotinoide gehörenden Wirkstoffe sind nicht nur akut extrem bienentoxisch, sie bewirken auch eine Verringerung der Intelligenzleistung der Insekten. Dies führt Studien zu Folge in über der Hälfte der Kontaminationsfälle zu Orientierungslosigkeit. Die Bienen finden nicht mehr den Weg zurück in ihren Stock und verenden. Ohne die Bestäubung von Pflanzenblüten durch den Weitertransport der Pollen durch die Insekten verarmt die biologische Vielfalt und es gehen landwirtschaftliche Erträge stark zurück. Ein Rückgang der Bienenpopulation ist somit auch direkt ökonomisch von großer Bedeutung. Die EU Kommission gibt an, dass Bienen bezogen auf deren landwirtschaftliche Ertragsleistung, europaweit einen Beitrag von ca. 22 Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaften.

Um dem Bienensterben, der Belastung der Umwelt sowie möglichen agrarischen Einbußen durch geringe Bestäubungsleistung entgegenzuwirken, ist es nun wichtig, das beschlossene Neonikotinoid-Verbot schnellstmöglich umzusetzen und über weitere Schritte für einen dauerhaften Schutz von Bienen und anderer Bestäuber vor Pestiziden zu verhandeln.

Weitere Informationen zur Entscheidung über das Neonikotinoid-Verbot:

Pressemitteilung von PAN Europe vom 29.04.2013:
European ban on neonicotinoids: Historical victory for the environment

Pressemitteilung der Europäischen Kommission vom 29.04.2013:
Bienen und Pestizide: Kommission verfolgt Plan zum besseren Bienenschutz weiter

Interview mit Walter Haefeker vom Deutschen Berufs und Erwerbs Imkerbund in der Tagesschau vom 29.04.2013
Walter Haefeker, Europäischer Berufsimkerverband, zu den EU-Maßnahmen gegen das Bienensterben

PAN zu Bienen und Pestiziden
http://www.pan-germany.org/deu/projekte/biodiversitaet/pestizide_gefaehrden_bienen.html

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